19.02.2012
Berlin. Wulff ging und Otto Rehagel kommt. 15 Kamerateams, Hundertschaften von Journalisten haben Stellung bezogen. König Otto donnerte schon am Eingang zu BILD: „Ich bin das Gesetz“, um gleich klar zu machen, mit mir dürft ihr nicht Kirschen essen, denn ich habe allein das Wort und ich rette die kranke Tante Hertha auf meine Art, als demokratischer Diktaktor. Subtext: Denn Fußball ist im Gegensatz zur Politik nichts für sentimentale Labertanten. Den Spielern von Griechenlands Nationalteam soll er gesagt haben: Wenn euch ein Journalist, egal welcher Couleur, mit Fragen löchert, antwortet nie auf die Fragen, sondern sagt sonst was, redet von etwas vollkommen anderem, sie werden es eh nicht merken. Endlich wieder ein Mannsbild im wellness- weichen Deutschland. Wie gut das tut, nach Wulff, dem femininen Schnorrer. Er ist schon fast vergessen. Otto Rehagel kann der Hauptstadt viel von seinem Glanz abgeben, den sie so nötig braucht. Ähnlich wie Sepp Herberger einst der Adenauer Republik das dringend gebrauchte Selbstvertrauen zurück brachte, wird Rehagel Berlin aufwerten, allein durch seine Präsenz. Sein erster Auftritt war souverän, er nannte Berlin „einen ganz besonderem interessanten Ort“, den er gerne hat, und dann folgten sofort die Kernbotschaften des Kohlenpott-Malochers, der wie ein Urdeutscher sofort die Ärmel hochkrempelt und anpackt: „ Ich möchte, dass die Hertha in der Bundesliga bleibt. „ Und was noch gravierender ist: „ Man muss wissen, was wichtig ist und alles andere außen vor lassen.“ Das sind die Klartexte, die das Land ordnen, die die Leute von Hysterie befreien und auch Berlin wieder von ihrem Partykoller heilen werden.
© Carl Setzer