22.02.2012

Gaucks wilde Ehe

Oazapft is!! Gottlob. Die CSU lebt ja auch noch. Sie erhebt wieder ihre ehernen Moralansprüche.

Man hat lange nichts von ihr gehört, außer das Übliche. Jetzt aber hat sich einer ihrer typischen Hinterbänkler, Norbert Geis, mit einer kuriosen Mahnung an Gauck gemeldet. Gauck lebe in einer wilden Ehe, das sei einem künftigen Bundespräsidenten nicht gemäß, er solle schleunigst seine Lebensverhältnisse ordnen. Oazapft is!! Typisch, die alte grantlerische CSU, wie wir sie ewig lieben.

Der Vorschlag ist natürlich wie immer faschingsmäßig. Die evangelische Kirche stört sich nicht an Gaucks wilder Liebe, die Scheidungsraten im Lande steigen rapide Jahr für Jahr, im Fernsehen herrscht eine sexuelle Anmache, dass es der buchstäblichen Sau grausen könnte, Zwangsprostitution und Zwangsehen sind keine Seltenheit, Sex sells, wie die Kaufleute, auch die christsozialen natürlich, sagen. Selbst der türkische Bundes-Vertreter moniert nichts an Gaucks Lebensverhältnissen, nur die Äußerung pro Sarrazin, die müsse Gauck zurückziehen, um auch den Türken gut zu gefallen. Man sieht, die Wünsche mehren sich, bevor der Herr Gauck noch im Sattel sitzt.

Aber statt die wilde Ehe zu tadeln, wäre die CSU noch besser beraten gewesen, wenn sie Joachim Gauck  zu einer Präsidentenhochzeit animiert hätte. Das wär doch was. Eine Hochzeit unseres künftigen Bundespräsidenten. Mit weißer oder auch farbiger Braut. Je nach Gusto.´Ich stelle mir vor: Hochamt in der Hedwigskathedrale, Bischof Huber und Bischof Zollitsch aus beiden Kirchen spendeten ihren Segen und auch der Imam von Berlin träte noch dazu. Mein Gott, das wäre eine Inthronisation, die an hohe, englische Sittengemälde gemahnte.

Aber gut, dass die CSU wieder ihren alten Humor gefunden hat und zur Rückkehr in mittelalterliche Sexualverhältnisse bläst, ist hübsch, macht den Aschermittwoch heute schön bunt. Das wird Seehofer heute in Passau mit seinen bayrischen PR-Parolen kaum toppen können.

© Carl Setzer