21.02.2012

Fehlanzeige - Humor und Originalität

Der Humormangel und die Trockenheit fällt am Faschings-Dienstag besonders stark auf. Es bedarf drum der pietistischen Einkehr und Selbst- Rechtfertigung.

"Das stimm doch gar nicht, dass wir keinen Humor haben, wir haben sogar eine Humortradition, die bloß keiner mehr kennt." In Dementis liegt oft viel vetrockneter Esprit. Und natürlich muss man bedenken, dass die Schlafkrankheit, die seit Jahren eine ganze Stadt befallen hat, keine leichte Sache ist, die man mit einem Witz verscheuchen kann. Nei,n man wartet auf medizinische Konzepte vom Eselsbberg. Omen est nomen. Auch Esel wollen denken. Eigentlich wollte ich mich heute humorvolleren Dingen zuwenden, da kam mir der Lokalzampano der Südwestpresse erneut in die Quere und erheiterte mich unfreiwillig. Er behauptet doch in seinem Leitartikel von heute glatt, „dass bei aller pietistischen Strenge der Frohsinn lebt in Ulm.“ Nur wo? Hic Rhodos, hic salta, also wo bleibt der nächste Witz, Herr Thierer? Sie haben doch soeben eine nette Rampe erbaut, für einen Sprung in den Abgrund des Lachens. Aber nein, er bleibt auch am Faschingsdienstag bierernst. Immer wieder sei es gelungen, hält er historische Rückschau, dem Frohsinn „gerecht zu werden durch Originalität.“ Das klingt ganz nach seinem Hauscredo, das er uns gestern steckte: „ anspruchsvollen daher kommend, aber bescheiden im Ausdruck.“ In diesem Sine wollte man in Ulm nie den Fasching oder den Karnevall, sondern immer gleich die Tradition dazu oder davon? Überhaupt Bescheidenheit und Originalität? Wie wächst zusammen, was gar nie zusammengehört? Sind das nicht zwei paar Stiefel? Will man sie sich zugleich anziehen, kommt es freilich zu einer Satire, wie sie die Südwestpresse täglich unfreiwillig beliefert. Doch mit dem Humor steht es in Ulm wie mit der Pressefreiheit in China. Die Originalität versteckt sich in der Bescheidenheit und diese kehrt allen Frohsinn wieder zum Städtle hinaus. Denn er darf keinen Dreck machen. Das ergibt Standortprobleme, die sich mit dieser schläfrigen Zeitung nur immerzu vermehren, niemals lösen lassen.

© Peter Zwey